View this page in English.

Saturday, September 08, 2007

Neues Kapitel.

Immer, wenn ich die Augen schließe, kommen die Erinnerungen herangerauscht. Wellen von den Gerüchen des Meeres vor unserer Straße, Seegras und Salzwasserdunst gemischt mit Grillrauch und Gras. Das Gesicht meiner Freundin aus tausend verschiedenen Blickwinkeln. Das Piepen vom Müll-LKW unten auf der Straße, der alle, die noch wach sind, daran erinnert, dass die Sonne bald aufgeht. Mal wieder.



Nachdem ich im Februar versucht habe, mich wieder in mein altes Leben reinzufinden, dachte ich mir am Ende "Was? Schon vorbei, das alles?" und verschwand wieder. Dieses Mal nach Spanien: Ein Freund von mir, mit dem ich schon Kinder auf dem Rücken durch Flüsse Guatemalas schwamm sagte mir damals: "Komm, wann du willst, hier hast du ein Zuhause, eine Familie und Arbeit." und so war es dann. In Deutschland aufgewachsen hat mich diese herzliche Gastfreundschaft ganz schon umgehauen. So fing ich im März dann als Kellner an, zog in eine Wohnung mit anderen Freunden, die ich auf meiner Reise getroffen hatte und die zu Hause auch nicht mehr gehören konnten oder wollten. Und dann kam noch meine Freundin, um mit mir den Sommer dort zu verbringen... und von da an flog ich mal auf Wolke 7, mal auf Wolke 13 ;)

Altea an der Mittelmeerküste zwischen Valencia und Alicante ist ein malerisches Dorf, dessen Stadtkern sich im Zuge der Touristisierung des Umlands seinen spanischen Charakter bewahren konnte: Ein Labyrinth aus alten, weißen Gassen, in denen die Einwohner noch leben wie eh und je. Die Arbeit im professionellen Essen-hinstellen war hart, aber jetzt spreche ich fließend Spanisch und ich hatte immer meine Freunde zum Feiern, den Ozean und meine Liebe um mich - und einen Job um diesen Traum am Laufen zu halten; que mas quiero?



Während der letzten 2 Wochen unseres Sommers wollten Joice und ich mehr sehen als nur unsere Bucht und wir verreisten nach Barcelona, Sevilla, Tarifa & Granada; einige der schönsten und lebhaftesten Städte, die dieses Land (und dieser Kontinent) zu bieten hat... Ein wilder Haufen von Erfahrungen aller Art, Flamenco, Tapas, Gaudi, 2 Ozeane samt Stränden, ein arabisches Bad, zu viel Trinken um mich noch erinnern zu können, wieviel's denn nun genau war, eine Nacht in meiner Hängematte, eine Nacht in einem Schicki-Micki-Hostel gefüllt mit reichen Backpackern (noch nie diese Art von Pseudorucksacktourismus gesehen) und noch viel zu viel mehr Dinge, um sie zu so später Stunde noch aufzulisten...

Gaudí's fließendes Haus in Barcelona


Zwischen den Meeren in Tarifa


Der Sternenhimmel im Palast des Kalifen in Sevilla


Ein arabisches Bäderhaus in Granada

Aber nach fast 2 Jahren der Selbstbestimmung nur das zu tun, worauf ich gerade Lust habe, bereite ich nun mein Leben als Normalostudent in Heidelberg vor... Darauf freue ich mich allerdings mindestens genauso: Wurzeln schlagen, studieren, mein Mountain Bike, endlich wieder ein Chor, meine Freundin kommt im Januar und mein Staatsexamen in Englisch und Spanisch auf Gymnasiallehramt in einem halben Jahrzehnt oder so. Ich gehe abends durch mein Dorf und frage mich, was all die Menschen hinter den Fenstern in ihren Leben gesehen haben. Was für Erfahrungen sie durchgerüttelt, glücklich gemacht, auf Kurs gebracht haben. Ich fühle mich wie ein Lied.

In the stick count for the song
of knowing your're gone
Glancing up at where you lived
When you lived here

I See you suddenly alive
And nearly smiling
I stop and hold my breath
And watch the way you used to be

The full moon makes
Our faces shine
Like over ironed polyester
Then dissapears behind the clouds
Leaves me under empty rows
Of night windows.


Was könnte ich zu alledem anderes sagen als: YEEEHAW!!!

Monday, February 12, 2007

Zu Hause.

Das war's, ich bin zurück. In meinem Heimatdorf... ich lebte hier zwar nur 3 Jahre, aber das is mehr meine Heimat als SFB, fertig. Vor ein paar Tagen bin ich nun gelandet. Hm, es funktioniert, dass ich das hier auf dem TFT verewigt sehe, hilft, es zu realisieren, doch... ich komme immernoch an. Vielleicht komm ich auch nie mehr an. Seit vierhundertzweiundvierzig Tagen hab ich meine Familie nicht mehr gesehen, den Wein um mein Dorf herum, habe ich nicht den Jahrhunderte alten Wald hinterm Haus gerochen. Hab ich nicht die Songs gehört, mit denen ich groß geworden bin, bin ich nicht mit meinem Bruder Holz schlagen gewesen, um dann ein Feuer zu machen. Hab ich nicht in dieser absoluten, durchdringenden Stille dieses Dorfes am Rand des Rheintals geschlafen. Hab ich mich nicht fragen müssen: Und was machste morgen?

Sorry, dass ich nicht früher schrob... wie im Blog sichtbar, sind meine sporadischen Einträge immer große Brocken... ich konnt mich nie genug zusammennehmen, um regelmäßig zu dokumentieren. Ich hab auf Reisen Leute getroffen, die jeden Tag 6 "erfahren" (reisen, Orte besuchen, Dinge tun usw.) und sich dann den Rest des Tages im Blog über jeden Käfer auslassen, den sie fast totgetrampelt hätten. Ich sehe lieber, während ich's noch kann. Jetzt bin ich zu Hause, jeden Ort am gleichen Ort; jetzt kann ich schreiben. Das einzige Problem: Das wird eine Mordsgeschichte hier... ergo ein paar Bilder zur Erholung ;)

Von Lago de Atitlan.


Von Casa Guatemala.


Von Antigua.


In Guatemala frug ich mal einen Freund, "David, warum reist du eigentlich?" Er sah mich schief an und meinte, "Weil ich das hier Arbeiten vorziehe, was denkst du denn?! Und du?" Da war ich baff. Nach Monaten on the road konnt ich keine konkrete Antwort liefern. Also hab ich mich gesetzt und eine Liste gemacht, warum ich eigentlich reise...


  • Wegen des Kribbelns in Erwartung des Sprunges ins Kalte Wasser, nachdem meine Haustür hinter mir zugefallen ist.
  • Um meine Grenzen in alle möglichen Richtungen herauszufinden... in dünner Luft, im Dschungel, verliebt, in sich immer veränderten Menschenmassen und in der Einsamkeit, allein am Strassenrand zu stehen, dem Weg folgend ohne all die die Dinge und Menschen, die ich liebe/liebte.
  • Für die Freiheit, auf der Ladefläche eines Pickups zu reisen, Wind und Sonne im Gesicht.
  • Wegen all den schönen, verrückten Leuten von überall her, die die Welt mit mir sehen.
  • Um meine Gitarre weiter zu meistern und meine Musiksammlung zu bereichern (hab 350 neue Alben mitgebracht).
  • Wegen all den Momenten von stiller Schönheit, die mich murmeln lassen: "Que hermoso es el mundo!"
  • Wegen meiner Art des Luxus: Die Zeit haben, zu stehen, zu beobachten und mich einzuleben.
  • Für das Gefühl, dass sich einstellt, wenn man eine Weile an einem Ort gelebt hat, anstatt ihn nur vorbeifliegen zu sehen: Dass man Teil von ihm ist.
  • Wegen Veränderung der Seele, so stark, dass man es spüren kann.
  • Einfach wegen dem Privileg, reisen zu können. Ich habe viele getroffen, die das wollen, was für mich selbstverständlich war.
  • Um zu lernen, wie freundlich die Welt wirklich ist. Man darf dem Auswärtigen Amt nicht alles glauben ;)
  • For playing with my kids, all speaking the same language.
  • "Weil ich unglücklich war, da, wo ich war." (Zitat eines Freundes (der jetzt sein eigenes Hostel besitzt)
  • Um ein einfacheres Leben zu führen.
  • Um den ganzen Schwachsinn loszuwerden: Klingeltöne, Talkshows, Bild, Arroganz und die Kälte des Wetters und Menschen.
  • Um Geschichten zu haben, die ich meinen Kindern erzählen kann.
  • Wegen des Sandes in meinen Hosentaschen.
  • Wegen des Sandes zwischen meinen Zehen.
  • Um nach Hause zu kommen.

Aber 'türlich bin ich nicht sofott von Oaxaca in die Pfalz geflogen und um's kurz zu machen (weil meine mir meine Geduld grad auch ausgeht ;) :

In Oaxaca bin ich dann an den Strand gefahren. Ich hatte von einem abgeschiedenen Fischerdorf am Pazifik namens Mazunte gehört; zwischen den Felsen des wilden Ozeans fand ich dann, an einem vier Kilometer langen, menschenleeren Sandstrand, diese Handvoll Hütten, wo sich seit ein paar Jahrzehnten nix mehr verändert zu haben schien. Also hab ich meine Hängematte and zwo Pfählen eines Palmdaches festgemacht, eben der Familie 3€ gegeben und den Wellen zugesehen, wie sie sich meterhoch brechen. Ich wunderte mich schon, dass kaum Leute schwimmen waren, bis ichs selbst ausprobierte... solch ein Vollwaschgang reichte auch einmal. Nachts machten wir Feuer und andere Leute wurden davon angezogen, darunter auch einige "Feuertänzer" und ein paar Leute aus Puebla, nahe der Hauptstadt... Nachdem ich ihnen CouchSurfing vorstellte (Imanti & Heitor), nahmen sie mich, ganz die Mexikaner, am nächsten morgen, mal eben die 800km bis fast zur Hauptstadt mit.

Und nach ein paar weiteren von Tequila verschwommenen Fiestas, schulterte ich Gitarre und Rucksack ein weiteres Mal, um zur Stadt aufzubrechen, in der ein Viertel aller Menschn dieses Landes leben, das 5x so groß ist wie Deutschland: Mexico City. Aber weil ich unter Zeitdruck stand und genau da meine Kamera kaputtging und dieser Artikel ssowieso schon zu verdammt lang ist, werd hier nur bemerken, dass, nur am Marktplatz stehend, innerhalb einer Stunde wohl eine halbe Million Menschen an mir vorübergingen. Unfassbar.

Die Fahrt vom Herzen Mexicos and die Grenze zu Texas verging so schnell, dass ich mich kaum noch dran erinnern kann... die Trucker sind so freundlich, dass ich die 1400km bis naxh Laredo innerhalb von 24 Stunden durchquert hatte. Wenn ich ihnen sagte, was ich tat, meinten einige "Tolle Idee, hier haste 'n par Hundert Pesos, wirste brauchen da oben". Sie bestanden solange darauf, bis ich annahm. Wie ich schon sagte, unfassbar.

In den Staaten war es jedoch anders. Ich hab immernoch nicht rausgefunden, wovor die Leute eine solch panische Angst haben; ich wurde aus Tankstellen geworfen, Hunderte Leute verneinten meine Fragen, bevor ich sie stellen konnte und ich kam nie weiter als ein paar Hudnert Meilen pro Tag. Das Land hat sich sehr verändert. Aber schlussendlich kam ich doch dort an, wo ich hinwollte: Berea, Kentucky; ein Ort, den ich schon seit einem halben Jahrzehnt nichtmehr gesehen hatte und den ich einmal so gut kannte wie meine Heimat. Aber jetzt isses schon wieder 2 Uhr nachts und wenn ich so weitermache, bekomme ich mein Jetlag nie ausgependelt. Kurz: Es war wundervoll, meine Gastfamilie, bei denen ich 2001 für ein Jahr Englisch gelernt hatte, wiederzusehen (nix verändert) und mit alten und neu gewonnenen Freunden Spaß zu haben... So to speed things up a bit (sorry, Tins, more to follow later): It was wonderful seeing my host family again and having fun with old & newfound friends... I fell in love, I fell over drunk, I fell for Pabst Blue Ribbon beer, I felt great. Good times.

Aber dann endschied sich meine werte Mutter urplötzlich, mich besuchen zu kommen und ich konnte gerade noch sagen "Aber nicht hierher!" und so erkundeten wir beide für 2 Wochen, 2000 Kilometern und 5 Grenzüberquerungen Guatemala und Mexico... und sahen mehr als manch ein Backpacker in 3 Monaten. Wofür hatte ich schließlich ein Jahr dort unten gelebt? ;)




From Tulum
Aber jetzt bin ich wieder hier. Und wie ein guter Freund von mir sagte: "Regresar es un parte (probablemente el más grande) de cada viaje!" - Die Wiederkehr ist ein Teil(und wahrscheinlich der größte) jeder Reise. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich geändert habe. Jetzt steht die nächste Aufgabe vor mir, eine Uni und was zum Studieren zu suchen. Aber ich kann's kaum erwarten.

Wie vor einem Jahr.

Schönen Dank für die Aufmerksamkeit.

Friday, December 15, 2006

Oaxaca: Qualitätsfaschismus made in Mexico.

Hier bin ich bei einem weiteren HospitalityClubber untergekommen, der mich auch gleich zu seiner Mutter einlud, welche uns ein köstliches Mahl briet. Mexico. Wie kann es nur sein, dass bei solch freundlichen Leuten seit einigen Wochen ein Diktator das Zepter schwingt?


Tut mir leid, diesmal gibt's keine touristischen Belanglosigkeiten. Denn was in diesem "demokratischen" Land los ist, verdient ohne Weiteres den Titel dieses Eintrags. Kurz:

Am 2. Juli waren Präsidentenwahlen in Mexico; der Kandidat Andrés Obrador stand dabei gegen Felipe Calderon (Partei PAN, momentan an der Regierung) ganz oben auf der Liste. Doch so gegen 11 geschahen eine Reihe mysteriöser Ereignisse - die Stimmzählcomputer stürzten plötzlich ab und schwupp stiegen die Hochrechnungen für den zuvor abgeschlagenen Calderon. Rufe aus der Bevölkerung und dem Senat, die Wahl sein ungültig, gefälscht und müsse neu angesetzt werden, wurden von der aktuellen Regierung mit der Worten, dass dies die gesamte Wahlkommission in den Schutz ziehen würde, kommentiert. Auch der Gerichtshof (kontrolliert von derzeitiger Regierung: PAN), sagte schlicht, dass "das so schon stimme".

Zeitgleich dazu begannen im zweitärmsten Bundesstaat Oaxaca, die Lehrer für bessere Bedingungen in den Schulen (Schulmaterialien, Klassenzimmer) und höhere Löhne (etwas mehr als 150Euro) zu protestieren; friedliche Demonstrationen und eine Sitzblockade auf dem Hauptplatz der Stadt bestimmten von da an das Bild. Während all dieser Zeit des Protestes fiel nicht ein Schuss, ging nicht eine Scheibe zu Bruch. Die Regierung entschied sich dann, den Protestanten entgegen zukommen - und zwar um 4frueh mit Tränengas und einer Entfernung der Vagabunden. Daraufhin informierten die Lehrer ihre Schüler, die ihre Eltern, die wiederum ihre Freunde... binnen 5 Stunden war die gesamte Stadt wütend auf den Beinen. Als die Polizei sah, das sie es diesmal mit etwas mehr als 4000 verschlafene Akademikern zu tun hatten, ergriffen sie schlagartig die Flucht.



Währenddessen begannen die beiden öffentlichen Fernsehsender (beide von Regierung kontrolliert) von "randalierenden Vagabunden, die das Stadtzentrum unsicher machen" zu berichten; es handele sich bei den Protestanten größtenteils um Arbeitslose und Junkies, die ihrem Frust Luft machen wollen. Tatsächlich waren an dem Streit Ärzte, Anwälte, Hausfrauen und sogar Kinder (Schüler der Lehrer) beteiligt. Kurz darauf begann die Polizei in Zivil unter den Protestanten zu arbeiten: So hörte ich zum ersten Mal vom Bürgerkrieg - die Erschießung des Indymedia-Reporters Brad Will - und zwar durch Lokalbullen in Zivil. Die hatten damit der Bundesregierung den Beweis liefern wollen, dass es da in Oaxaca ja nun wirklich zu wild zuginge & Leute sterben würden (durch ihre eigenen Hände!). Somit legitimierten sich die Staatsoberhäupter selbst einen Grund, die National Polizei (PFP, Policia Federal Preventiva) zu entsenden.



Am zweiten November kam es zu Straßenschlacht zwischen der gesamten Bevölkerung der Stadt und der mit Tränengas, Wasserwerfern, Schusswaffen, gepanzerten Trucks und Helikoptern ausgerüsteten Nationalgarde. Erst jetzt, nach Monaten der pazifistischen Demonstration, wurden Menschen auf offener Strasse erschossen. Läden geplündert. Frauen vergewaltigt. Verschwanden Menschen. Und es waren nicht die Lehrer oder deren Sympathisanten, die Unheil stifteten; die Polizei in Zivil selbst war es, die so Terror unter den Leuten säte.

Mit Erfolg. Als ich im Dezember in der Stadt ankam, traf ich überall auf (natürlich vollkommen taubstumme) Polizisten. Die Menschen jedoch hatten nun Angst, noch mehr Freunde zu verlieren; ist wohl schwierig, weiterzukämpfen, wenn dein Sohn ohne Anschuldigung im Knast sitzt und dein Mann einfach weg. Ich habe ein Wochenende bei einem Demonstranten verbracht, der mir all dies erzählt und die Videos gezeigt hat, die ihr hier seht.



Ich sauge mir das nicht aus den Fingern. Heißen wir den mexikanischen Faschismus willkommen.

Mehr Infos gibt's bei Indymedia (Deutsch & Spanisch), YouTube & Google.


Sunday, December 03, 2006

Die Hauptstädte einer uralten Kultur.

So, Fuß wieder nutzbar. Der immergrinsende Arzt hat mir irgendwelche Drogen verschrieben und weil war Billigapotheke, nix mit Beipackzettel. Was soll's, seit ich mir das Zeug einverleibt habe, geht's mir großartig! Ganz exquisit!

So grinsend bin ich per Anhalter weiter auf der Yucatan-Halbinsel... hab noch 3 Wochen, bis ich bei meiner ehemaligen Gastfamilie in Kentucky, USA, zur Weihnacht vor der Tür stehen will. Es fehlen noch knapp 7000km. Dementsprechend konnte ich in den einzelnen Ruinen nicht viel Zeit verbringen... dachte ich mir. Die erste, Chichén Itzá ("Ort des Heiligen Brunnens") wartet mit knapp 2000 Gebäuden und dem Symbol der Mayakultur schlechthin auf (siehe rechts, versucht mal, mich zu finden ;)

Dann gings weiter nach Merida, einer typisch mexikanischen Stadt: Jeden Abend spielen auf jedem größeren Platz die Mariachis (diese breitkrempig behuteten Schnurrbärte mit Gitarren größer als sie selbst, die man aus mexikanischen Schnulzen trällernd kennt) und am Wochenende wird die ganze Innenstadt einfach mal dichtgemacht, die Restaurants packen ihre Stühle raus und wir schlenderten durch die kopfsteingefplasterten Kolonialstraßen, um mir eben noch 'ne Hängematte (hier Teil des Lebens) zu kaufen - danach gings weiter gen Süden nach Uxmal. Ohne Worte:







Nach 2 Tagen auf den Ladeflächen von Pickups und in Trucks (& einer Nacht mit Hängematte neben einem Wärterhäuschen in irgendeiner namenlosen Industriestadt) bin ich dann endlich wieder da, wo ich dieses ganze Jahr war, wo ich hingehöre... im Dschungel.
Die Ruinen von Palenque, mitten im Wald. Mich überkam die gleiche Magie wievor einem Jahr, als ich meine erste Ruine zu Gesicht bekam: Das seltsame Gefühl, dass sie noch da sind. Dass sie mit sicherer und ernster Entschlossenheit von den Tempelpyramiden aus über ihr Land sehen. Sie kennen nichts anderes, dies ist ihre Heimat und sie sind mit ihr verwachsen wie die Lianen mit den Bäumen. Und ich?

Ich bin momentan in Oaxaca, aber was hier gerade abgeht, muss ich, so beschrubbt das nach all dem Schwadronieren der letzten Einträge auch klingt, erstmal in Worte fassen.

Seht's euch an.


:::alle Bilder aus Chichen Itza, Palenque, Uxmal & einigen Wasserfällen, die ich auf dem Weg fand:::

Sunday, November 26, 2006

Un año.

Wäre ich mir selbst vor einem Jahr begegnet, hätte ich meinem Gegenüber wohl angesichts der Tatsache, dass ich grad mal 3 Autostunden von Cancun (wo ich landete) entfernt gelandet bin, wohl "Du Vollpfosten!" ins grinsende Gesicht gebrüllt. Schließlich wollte ich damals um diese Zeit bereits auf dem Weg über dem Atlantik sein. Ein Jahr, ich fass es nicht.

Die Wellen brechen sich metallblau draußen am Riff, die Gischt wird weggerissen. Bis sie am Strand ankommen, verändern sie knapp 40 Mal die Farbe, von Aquamarin über Türkis bis zur Farbe des Himmels.
Wenn ich morgens zum Rauschen des Meeres im Freien in meinem Schlafsack aufwache, ist das erste, was ich sehe, die Sonne als Rubin durch die Wolken. Dann das Wasser, das sich am ganzen Strand gleichzeitig zu brechen scheint. Ich sehe nach oben, zum makellosen Himmel und Palmen mit Dutzenden von Kokosnüssen dran. So soll es sein, das Strandleben. Wild und natürlich, sanfte Gespräche und meine Gitarre sind das Einzige, was von außerhalb kommt. Der Sand macht alles weich. Das Licht, die Stimmen, den Schlaf. Kühl und feiner als Puder.

Von Tulum

Hier in Tulum, Mayaruinen, von deren Türmen die Mayas aus Yucatan 1516 zum ersten Mal die Galeonen der Spanier sahen, "musste" ich sechs Tage ausharren, bis mein auf dem Weg verdrehter Fuß (mit 35kgRucksack + Gitarre auf dem Rücken auf den Knöchel geknallt) nicht mehr oberschenkeldick war. Ich hab direkt am Strand geschlafen, jeden Tag ein paar Kokosnüsse aufgesäbelt, 'n bisl geschwommen, mit den anderen Aussteigern 'n bisl Gitarre gespielt... Strom oder Warmwasser is nich, aber es gibt wirklich schlimmere Orte, um auf Reisen festzustecken ;)

Friday, November 03, 2006

Todos Santos: Traditionelles Komasaufen in Guatemala.

Allerheiligen in Zentralamerika. Bei den Mexikanern als "Tag der Toten" ein rauschendes Fest, ist er auch hier in Guatemala Grund genug, um auf den Friedhöfen die Toten zu ehren, zu lachen, zu weinen und -natürlich- zu feiern.

In dem entlegenen Bergdorf Todos Santos Cuchumatan war das nicht ganz alles. Ich kam am Abend vor Allerheiligen an und alle waren schlichtweg hackebreit - und das, wo man sich normalerweise selbst mit einem Bier nicht auf der Straße blickenlässt... Das ruhige Örtchen, dass ich vor einem halben Jahr beim Wandern so friedfertig und still vorfand, hatte sich in eine knallharte Fiesta verwandelt. Nuja, also hab ich mir 'n kleenes gemütlich eingerichtetes Zimmer (siehe rechts) gefunden und ein paar Saufkumpel auch gleich mit und die Nacht selbst begrüßt... was mal wieder damit geendet hat, dass wir mit den Einwohnern und ein paar Gitarren zusammen gejammt haben, alle gleich dicht. Ein Heidenspaß, aber nix im Vergleich zum nächsten Morgen.

Ich erwachte zum Donner irgendwelcher RiesenbÖller auf der anderen Seite der Stadt; draußen auf der Straße torkelte ich also einfach allen anderen hinterher - irgendwie schien hier niemand geschlafen zu haben. Wir kamen zu einem abgesperrten Stück Schotterstraße von knapp 250m Länge. Hunderte von Zuschauern stierten duselig dem Spektakel zu...

Pompös in traditionelle Gewänder gekleidete und sowas von hackedichte Männer, die die ganze Nacht über kein Bett gesehen hatten, torkelten auf eine Gruppe Pferde zu, die an einem Ende der Strecke standen und begannen ein vollkommen verrücktes Rennen. Hin und her und hin und her zwischen den beiden Enden der Bahn, bei jeder Wende einen ordentlichen Hieb aus dem Flachmann. Sie begannen um 8 edel und mit grellen Schweifen; gegen Mittag rasten sie immer noch vor Freude und Delirium gröhlend vorüber - auf Pferden verrückt vor Adrenlin und Erschöpfung. Jeder auf dem Feld und ringsum kippte sich zu, also gingen wir direkt vom Kater zum nächsten Bier über, um diesen tapferen Männern bzw. kompletten Vollpfosten genügend Respekt zu zollen.

Nach dem Mittagessen (was für die meisten der 54 Reiter aus nem Liter Bier bestand) gingen wir zum Spektakel zurück und fanden uns in einem dichten Nebel, der aufgezogen war... die Chaos verheißenden Schreie aus dem Nichts kurz bevor die Reiter jubelnd -Bier in einer Hand, Zügel in der anderen- aus dem Dunst preschten, um kurz darauf wieder darin zu verschwinden... mittlerweile konnten sie sich kaum noch im Sattel halten. Wenn wer runterfiel, wurde er einfach niedergetrampelt und danach vom Feld geschleift, ob lebendig oder nicht. Für die Einwohner ist jeder Tod ein willkommener Tribut an die Götter, der Gutes für die ganze Gemeinde bringt. Wundersamerweise kam jedoch keiner bei den vielen Karambolagen um; der Alkohol scheint die Knochen gummiartig werden zu lassen. Einige fielen bei Stürzen, anderen konnte man zusehen, wie sie schlafend mit jedem Schritt mehr herabsanken.
Um 5 nachmittags hatte sich die ganze Sache in ein einziges Chaos aufgelöst, die Zuschauer betrunken, die Reiter komatös, die wenigen Touristen verständnislos. Man sagt, das Fest gehe auf eine alte Legend zurück, wonach die Maya den Spanischen Conquistadoren beweisen wollten, dass auch sie ein Pferd beherrschen können - und sich deshalb die Kante gaben, um es zu beweisen. Jeder Mann, der teilnimmt, gibt an diesem einen Tag für Pferd, Verpflegung, Teilnahme und Tracht (die -soverlangt es die Tradition- neu angefertigt werden muss) ca. 15.000 Quetzales aus - die Ersparnisse eines ganzen Jahres. Dies ist die größte Ehre und sie wissen, dass sie eventuell nicht überleben, also trinken sie die ganze Nacht vorher.




Es sind Erfahrungen und Orte wie diese, für die ich reise. Es reißt mich um und kommt nie wieder. Aber ich kann die Impressionen hier nur durch Foto und Wort auflisten... die Erfahrung dieser Dinge ist meist wortwörtlich unbeschreiblich. Deswegen soll dieser Blog nur das sein - eine Chronik wo ich war, was ich sah und was ich da getan habe.

Ich hoffe, ihr habt Spaß...










:::alle 71 Bilder aus Todos Santos Cuchumatan:::

Friday, October 20, 2006

El Lago De Atitlán: Der schönste See der Welt.

In den Hochlanden der Maya, auf 1500m Höhe. Umringt von 3 majestätischen Vulkanen (während der See selbst ein einziger, riesiger Krater ist). Azurblau schimmernd und kristallklar. Willkommen am Atitlán-See...



Ich war hier schon vorher und wurde immer wieder hingezogen... nur dieses Mal, um in meinem Kopf aufzuräumen, meine Gefühle innen Griff zu bekommen und mich für die folgenden 6 Monate des Lebens auf Reisen vorzubereiten. Ich bin nun seit einem jahr unterwegs und meine Gedanken drehten sich nur noch um was schon passiert ist und was noch passieren könnte.
Mit anderen Worten hab ich weder links noch rechts geschaut; zu beschäftigt war ich damit, der großartigen Zeit zu gedenken, die ich bis hierhin gehabt hab & mich der Zukunft zu widmen - und der Dinge , die da harren (mir geht's Geld aus, es kommt dochnoch der Unfall, der schon die ganze Zeit statistisch gesehen überfällig ist, ich verliebe mich und reise trotzdem weiter, ich verliebe mich und bleibe da etc.) - der Tod einer jeden gelungenen Reise.
Denn meine Augen sahen auf die Erde, meine Ohren hörten längst vergangene Lieder und mein Herz fühlte nur was war...

Also hielt ich an und ging zum See. Um zur Ruhe zu kommen. Um zu reflektieren. Nistete mich 2 Wochen lang in einem kleinen Dorf am Ufer ein... Ich lebte in einem 20 Jahre alten Meditationszentrum namens "Las Piramides" und tat, was ich schon immer mal durchziehen wollte: Jeden Morgen mit der Sonne aufstehen, im kalten Wasser schwimmen gehen, das so klar war, dass man den Grund 5 Meter tief sehen konnte. Dann lernte ich Yoga in der großen Pyramide während die Sonne stieg und begann die Meditation 4 Stunden täglich durch Unterricht und Stille zu erkunden. Und dazwischen hab ich mich erholt, entspannt und meinem Körper und meiner Seele zugesehen, wie sie ihren Frieden wiederfanden.

Hm, dies fühlt sich nicht wie der richtige Ort an, um Ihnen von den Dingen zu erzählen, die ich dort erlebt habe. Erstens, weil die Erfahrungen, die ich während den Meditationen gemacht habe, weder glaubwürdig noch ernst klängen; "Spirituelle Erleuchtung" und was damit in esoterischen Zusammenhang gebracht wird sind für die meisten Leute heutzutage ein Witz. Zweitens, weil ich schlichtweg nicht vollständig erklären kann, was mit mir passiert ist und wie es mich verändert hat, denn Worte können Erfahrung nie annähernd ersetzen, sprich: Du musst hier herkommen und es selbst sehen...

Aber um hieraus noch 'nen Blog-Eintrag zu machen, der was Handfestes zu berichten hat: Ich kann nun besser kochen, hab meinen Rücken verbessert, gelernt, wie man eine Australische Sauna macht und wie man im Traum merkt, dass man träumt, ohne aufzuwachen (d.h. "Hej! Ich träume! Geil, was ich jetzt alles machen kann...")

Und Wie-Bekloppt-Von-Klippen-Springen!


:::alle 65 Photos vom Atitlán-See:::

Monday, October 09, 2006

La Capital: Guatemala-Stadt.

Verdammt isses hart hier den Betrieb aufrecht zu erhalten. Bin nicht fürs Internet gemacht. Jetzt kommt also meine letzte Runde durchs ganze Land: In die Hauptstadt, dann zum Atitlán-See und dann ein letztes Mal zu meinen Kindern...

Nach dem ich Flores verließ, bin ich per Anhalter in das 2-4-Millionen-Monster von Stadt genannt GuatemalaCity... die Reise dahin war typisch: Daumen raus und 5 Minunten später find ich mich durch die Bananenplantagten cruisend auf nem Pickup. Der Fahrer war freundlich und neugierieg (wie immer) und lud mich zum Essen ein, wenn wir anhielten; als ich das erste Mal versuchte, mein Mittag selbst zu bezahlen, lehnte er grinsend ab. Als ich's ein paar Stunden später nochmal -mit Nachdruck- versuchte, sagte er nur: "Hörmal, du lässt mich das entweder bezahlen oder ich muss dich leider aus dem Auto schmeißen". So sind die Leute hier halt, jedes Mal.



Ich schrob meinem CouchSurfing-Freund
Pampa , ob ich nen Tag oder 2 bei ihm bleiben könnte, um mich umzuschaun... und obwohl es die größte Stadt Zentralamerikas ist, gibt's da nicht viel... paar Museen, einige Wolkenkratzer und das war's - Leute kommen hier zum Arbeiten her, für nix sonst. Aber natürlich sollte alles anders kommen...

JungleAm Ende blieg ich eine Woche. Ich kam gerade aus dem Dschungel, die Stadt traf mich wie ein Schlag ins Gesicht: Menschen überall, ein ständiger Fluss auf den Straßen, verkaufen alles Kaufbare. Einige rennen vorüber, andere sitzen vom Morgengrauen bis zur Dämmerung auf dem Bürgersteig. Andere von der Dämmerung bis zum Morgengrauen.
Die Busse waren ein eigenständiges Wunder: Ohne Fahrplan, Haltestellen, feste Route oder Tickets, knattern sie in schweren Dieselauspuffwolken
durch die Straßen. Selbst die Einwohner verstehen das System nicht, wir stellen sich einfach zu einer Menschentraube und warten auf den nächsten. Der kommt aber auch alle 5 Minuten und kostet nur einen Quetzal (10ct.) und man bleibt solange auf der Strecke, wie man will. Wenn's der falsche war, steigt man halt wieder aus, fährt zurück und probiert einen anderen innerhalb von 'ner Viertelstunde. Chaotisch und effizient.

CouchSurfing wie es leibt und lebt, gings am nächsten Tag natürlich sofort nach Antigua
(hier sind die Fotos), der ehemaligen HauptstadtGuatemalas - zum Feiern. Also gab's kein "Hm, jetzt bin ich hier in einer Stadt, die ich nicht kenne, in einem unbekannten Hotel..." - ney, mit Couchsurfing geht's sofort zum Bier mit neuen Freunden =) Danach fing ich an, die Hauptstadt auf eine etwas andere Art zu erkunden...
JungleJungleMit einem Besuch des Hauptfriedhofes. Und ich war nicht vorbereitet für was ich dort fand...Reihe nach Reihe von Grabwänden. Soweit das Auge blickte, waren die Toten aufeinander gestapelt. Keins der Gräber war älter als 14 Jahre, denn danach werden die Särge rausgehauen und auf einen großen Haufen geschmissen - es sei denn, man kann sich weitere Aufbewahrung leisten - aber die haben dann meistens keine dreckige Nische in der Wand, sondern ihre eigene Krypta, wie das Mausoleum der nationalen Brauerei rechts. Arm und Reich stoßen auch hier aneinander...
JungleWährend ich staunend durch die Reihen schritt, stach mir ein beißender Geruch die ganze Zeit über in der Nase. Als ich zum Ende des Friedhofs kam, fand ich den Grund - die größte Müllkippe des Landes. Hunderte Geier flogen über einem Riesenloch im Boden, Leute, die die Berge nach Nützlichem durchkämmen, Bulldozers, die unsere Scheiße herumschoben und immer kommen neue Trucks an, umringt von ameisengleichen Menschen, die warten, dass sie abladen. Und im Hintergrund: Die reiche Zone 10 mit ihren Wolkenkratzern, Sicherheitsleuten vor jedem einzelnen und an den Straßenecken, die McDonalds und Shopping-Malls beschützend...

189


Den Rest der Woche verbrachte ich mit meinen neuen Freunden - Fiestas, Gitarre und alles, was ich seit 10 Monaten nicht mehr gesehen hatte: Fernsehen (kraaaaalmpfschzzz), gutes Essen, Rock und in einem Smart durchdie durch die Straßen rollen
, Emo und die Weakerthans (beste Band der Welt) hörend...
Aber schließlich kam derAbschied und mein letztes Reiseziel in Guatemala, wo ich für die nächsten Monate am Straßenrand einen klaren Kopf bekommen wollte:

El Lago de Atitlan...:::

Wednesday, August 23, 2006

Wie wenn ein Stein auf einen Glastisch knallt.

(Ich weiß, dass man einen Song nicht gerade in einem Reisetagebuch erwartet, aber ich hab ihn hier gefunden, also ist er Teil des Wegs.)

The glove compartment isn't accurately named
And everybody knows it.
So i'm proposing a swift orderly change.

Cause behind its door there's nothing to keep my fingers warm
And all i find are souvenirs from better times
Before the gleam of your taillights fading east
To find yourself a better life.

I was searching for some legal document
As the rain beat down on the hood
When i stumbled upon pictures i tried to forget
And that's how this idea was drilled into my head

Cause it's too important
To stay the way it's been

There's no blame for how our love did slowly fade
And now that it's gone it's like it wasn't there at all
And here i rest where disappointment and regret collide
Lying awake at night

There's no blame for how our love did slowly fade
And now that it's gone it's like it wasn't there at all
And here i rest where disappointment and regret
collide.
Lying awake at night (up all night)
When i'm lying awake at night.

~Death Cab For Cutie. Traf mich unerwartet. Ich hielt an und hörte für die nächste Stunde zu.
Das Lied.

Thursday, August 10, 2006

Was war's für eine geile Zeit...

Die Weltmeisterschaft. El Mundial. The Worldcup.



- habe ich gerade gefunden. U2's Song "One" als Hintergrund zu den besten Szenen. Sehr starke Bilder.

Aber sowieso: Fussball ist immernoch wichtig!