Das war's, ich bin zurück. In meinem Heimatdorf... ich lebte hier zwar nur 3 Jahre, aber das is mehr meine Heimat als SFB, fertig. Vor ein paar Tagen bin ich nun gelandet. Hm, es funktioniert, dass ich das hier auf dem TFT verewigt sehe, hilft, es zu realisieren, doch... ich komme immernoch an. Vielleicht komm ich auch nie mehr an. Seit vierhundertzweiundvierzig Tagen hab ich meine Familie nicht mehr gesehen, den Wein um mein Dorf herum, habe ich nicht den Jahrhunderte alten Wald hinterm Haus gerochen. Hab ich nicht die Songs gehört, mit denen ich groß geworden bin, bin ich nicht mit meinem Bruder Holz schlagen gewesen, um dann ein Feuer zu machen. Hab ich nicht in dieser absoluten, durchdringenden Stille dieses Dorfes am Rand des Rheintals geschlafen. Hab ich mich nicht fragen müssen: Und was machste morgen?
Sorry, dass ich nicht früher schrob... wie im Blog sichtbar, sind meine sporadischen Einträge immer große Brocken... ich konnt mich nie genug zusammennehmen, um regelmäßig zu dokumentieren. Ich hab auf Reisen Leute getroffen, die jeden Tag 6 "erfahren" (reisen, Orte besuchen, Dinge tun usw.) und sich dann den Rest des Tages im Blog über jeden Käfer auslassen, den sie fast totgetrampelt hätten. Ich sehe lieber, während ich's noch kann. Jetzt bin ich zu Hause, jeden Ort am gleichen Ort; jetzt kann ich schreiben. Das einzige Problem: Das wird eine Mordsgeschichte hier... ergo ein paar Bilder zur Erholung ;)
In Guatemala frug ich mal einen Freund, "
David, warum reist du eigentlich?" Er sah mich schief an und meinte, "
Weil ich das hier Arbeiten vorziehe, was denkst du denn?! Und du?" Da war ich baff. Nach Monaten on the road konnt ich keine konkrete Antwort liefern. Also hab ich mich gesetzt und eine Liste gemacht, warum ich eigentlich reise...
Wegen des Kribbelns in Erwartung des Sprunges ins Kalte Wasser, nachdem meine Haustür hinter mir zugefallen ist.- Um meine Grenzen in alle möglichen Richtungen herauszufinden... in dünner Luft, im Dschungel, verliebt, in sich immer veränderten Menschenmassen und in der Einsamkeit, allein am Strassenrand zu stehen, dem Weg folgend ohne all die die Dinge und Menschen, die ich liebe/liebte.
- Für die Freiheit, auf der Ladefläche eines Pickups zu reisen, Wind und Sonne im Gesicht.
- Wegen all den schönen, verrückten Leuten von überall her, die die Welt mit mir sehen.
- Um meine Gitarre weiter zu meistern
und meine Musiksammlung zu bereichern (hab 350 neue Alben mitgebracht). - Wegen all den Momenten von stiller Schönheit, die mich murmeln lassen: "Que hermoso es el mundo!"
- Wegen meiner Art des Luxus: Die Zeit haben, zu stehen, zu beobachten und mich einzuleben.
- Für das Gefühl, dass sich einstellt, wenn man eine Weile an einem Ort gelebt hat, anstatt ihn nur vorbeifliegen zu sehen: Dass man Teil von ihm ist.
- Wegen Veränderung der Seele, so stark, dass man es spüren kann.
- Einfach wegen dem Privileg, reisen zu können. Ich habe viele getroffen, die das wollen, was für mich selbstverständlich war.
- Um zu lernen, wie freundlich die Welt wirklich ist. Man darf dem Auswärtigen Amt nicht alles glauben ;)
- For playing with my kids, all speaking the same language.
- "Weil ich unglücklich war, da, wo ich war." (Zitat eines Freundes (der jetzt sein eigenes Hostel besitzt)
- Um ein einfacheres Leben zu führen.
- Um den ganzen Schwachsinn loszuwerden: Klingeltöne, Talkshows, Bild, Arroganz und die Kälte des Wetters und Menschen.
- Um Geschichten zu haben, die ich meinen Kindern erzählen kann.
- Wegen des Sandes in meinen Hosentaschen.
- Wegen des Sandes zwischen meinen Zehen.
- Um nach Hause zu kommen.
Aber 'türlich bin ich nicht sofott von Oaxaca in die Pfalz geflogen und um's kurz zu machen (weil meine mir meine Geduld grad auch ausgeht ;) :
In Oaxaca bin ich dann an den Strand gefahren. Ich hatte von einem abgeschiedenen Fischerdorf am Pazifik namens Mazunte gehört; zwischen den Felsen des wilden Ozeans fand ich dann, an einem vier Kilometer langen, menschenleeren Sandstrand, diese Handvoll Hütten, wo sich seit ein paar Jahrzehnten nix mehr verändert zu haben schien. Also hab ich meine Hängematte and zwo Pfählen eines Palmdaches festgemacht, eben der Familie 3€ gegeben und den Wellen zugesehen, wie sie sich meterhoch brechen. Ich wunderte mich schon, dass kaum Leute schwimmen waren, bis ichs selbst ausprobierte... solch ein Vollwaschgang reichte auch einmal. Nachts machten wir Feuer und andere Leute wurden davon angezogen, darunter auch einige "Feuertänzer" und ein paar Leute aus Puebla, nahe der Hauptstadt... Nachdem ich ihnen CouchSurfing vorstellte (
Imanti &
Heitor), nahmen sie mich, ganz die Mexikaner, am nächsten morgen, mal eben die 800km bis fast zur Hauptstadt mit.
Und nach ein paar weiteren von Tequila verschwommenen Fiestas, schulterte ich Gitarre und Rucksack ein weiteres Mal, um zur Stadt aufzubrechen, in der ein Viertel aller Menschn dieses Landes leben, das 5x so groß ist wie Deutschland: Mexico City. Aber weil ich unter Zeitdruck stand und genau da meine Kamera kaputtging und dieser Artikel ssowieso schon zu verdammt lang ist, werd hier nur bemerken, dass, nur am Marktplatz stehend, innerhalb einer Stunde wohl eine halbe Million Menschen an mir vorübergingen. Unfassbar.
Die Fahrt vom Herzen Mexicos and die Grenze zu Texas verging so schnell, dass ich mich kaum noch dran erinnern kann... die Trucker sind so freundlich, dass ich die 1400km bis naxh Laredo innerhalb von 24 Stunden durchquert hatte. Wenn ich ihnen sagte, was ich tat, meinten einige "
Tolle Idee, hier haste 'n par Hundert Pesos, wirste brauchen da oben". Sie bestanden solange darauf, bis ich annahm. Wie ich schon sagte, unfassbar.
In den Staaten war es jedoch anders. Ich hab immernoch nicht rausgefunden, wovor die Leute eine solch panische Angst haben; ich wurde aus Tankstellen geworfen, Hunderte Leute verneinten meine Fragen, bevor ich sie stellen konnte und ich kam nie weiter als ein paar Hudnert

Meilen pro Tag. Das Land hat sich sehr verändert. Aber schlussendlich kam ich doch dort an, wo ich hinwollte: Berea, Kentucky; ein Ort, den ich schon seit einem halben Jahrzehnt nichtmehr gesehen hatte und den ich einmal so gut kannte wie meine Heimat. Aber jetzt isses schon wieder 2 Uhr nachts und wenn ich so weitermache, bekomme ich mein Jetlag nie ausgependelt. Kurz: Es war wundervoll, meine Gastfamilie, bei denen ich 2001 für ein Jahr Englisch gelernt hatte, wiederzusehen (nix verändert) und mit alten und neu gewonnenen Freunden Spaß zu haben... So to speed things up a bit (sorry, Tins, more to follow later): It was wonderful seeing my host family again and having fun with old & newfound friends... I fell in love, I fell over drunk, I fell for Pabst Blue Ribbon beer, I felt great. Good times.

Aber dann endschied sich meine werte Mutter urplötzlich, mich besuchen zu kommen und ich konnte gerade noch sagen "Aber nicht hierher!" und so erkundeten wir beide für 2 Wochen, 2000 Kilometern und 5 Grenzüberquerungen Guatemala und Mexico... und sahen mehr als manch ein Backpacker in 3 Monaten. Wofür hatte ich schließlich ein Jahr dort unten gelebt? ;)

Aber jetzt bin ich wieder hier. Und wie ein guter Freund von mir sagte: "
Regresar es un parte (probablemente el más grande) de cada viaje!" - Die Wiederkehr ist ein Teil(und wahrscheinlich der größte) jeder Reise. Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich geändert habe. Jetzt steht die nächste Aufgabe vor mir, eine Uni und was zum Studieren zu suchen. Aber ich kann's kaum erwarten.
Wie vor einem Jahr.
Schönen Dank für die Aufmerksamkeit.